Projektreihe MUT

Projektreihe MUT

Die Projektreihe MUT – Musik und Texte besteht aus abendfüllenden musikalisch-literarischen Programmen zu gesellschaftspolitischen Themen. Darüber hinaus ist den Programmen gemeinsam, dass Text und Musik hier eng aufeinander bezogen sind und die Musik eine eigenständige Ebene bildet, die zu den Texten inhaltlich wie formal in einem gleichsam dialogischen Verhältnis steht.

Hinsichtlich ihrer Besetzung, der musikalischen Stilistik und der Art und Weise des konkreten Zusammenwirkens von Text und Musik unterscheiden sich die Programme jedoch deutlich voneinander: Jedem der Programme liegt eine künstlerische Konzeption zugrunde, die aus den jeweiligen inhaltlichen Zusammenhängen entwickelt wurde.

Die Projektreihe zielt darauf ab, den Blick für die Widersprüche zu schärfen, die den behandelten Themen innewohnen. Dabei vermittelt die künstlerische Form, in der dies geschieht, welche Vitalität – und auch: welcher Genuss – daraus erwachsen kann, sich mit diesen Widersprüchen auseinanderzusetzen.

Die Programme sollen zur Schaffung und Verbreitung eines aufgeklärten und auf umfassende Emanzipation gerichteten Bewusstseins beitragen und zur Gestaltung humaner gesellschaftlicher Verhältnisse ermutigen.

Die Reihe umfasst bislang folgende Programme:

In der Fremde

Lieder, Songs und Texte aus 5000 Jahren
Konzept, Textbuch, Arrangements und musikalische Leitung: Jonas Körfer

Erläuterung:

Seit Jahrtausenden haben Menschen Kriegselend, Flucht, Heimatlosigkeit und Exil zu erleiden – und zu verantworten. Deutsche Soldaten und andere Diener des NS-Staates haben zur Zeit der Nazi-Herrschaft Millionen von Menschen ermordet; zugleich konnten viele Deutsche, die von den Nazis verfolgt wurden, diese Zeit nur aufgrund der Hilfsbereitschaft anderer Staaten und ihrer Bevölkerungen überleben.

Das Programm versammelt Gedichte aus der Antike, dem Dreißigjährigen Krieg, dem Metternich'schen System, dem zweiten Weltkrieg, dem Vietnamkrieg und der heutigen Flüchtlingskrise. Dargeboten werden sie in jeweils zeitgenössischen Vertonungen, wodurch die historische Dimension auch ästhetisch erfahrbar wird. Ausgewählt wurden vor allem Lieder mit inhaltlich motivierten Wort-Ton-Beziehungen. Sie erklingen hier in eigens angefertigten Arrangements für unterschiedliche Teil-Ensembles, was klanglich zu einem vielfarbigen und gleichwohl strukturierten Gesamteindruck führt.

Die musikalischen Darbietungen werden durch rezitierte Texte interpunktiert, die zwei weitere Erzählstränge bilden: Bertolt Brechts Gedichte aus dem Exil und der Erfahrungsbericht einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin in einer Flüchtlingsinitiative. Den seit einigen Jahren in Deutschland aufkommenden Forderungen von Einheimischen, sich gegen Notleidende abzuschotten, wird die produktive und beglückende Erfahrung von menschlichem Miteinander entgegengesetzt: ein „Wir-Gefühl“, das sich auf ALLE Menschen bezieht.

Ausführende:

Barbara Schachtner – Sopran und Rezitation
Kerstin Körfer – Sopran
Dorrit Bauerecker – Akkordeon und Gesang         
Nils Imhorst – Kontrabass         
Jonas Körfer – Gesang, Gitarre und Akkordeon
N.N. – Viola

Liesel oder: Wozu sind Worte gut?

Eine musikalische Erzählung
für Rezitation, Oboe, Violoncello und Akkordeon
nach Auszügen aus dem Roman „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak
Textbuch und Komposition: Jonas Körfer

Erläuterung:

Liesel, Tochter von Verfolgten des Naziregimes, wird in den späten 30er Jahren in eine Pflegefamilie verbracht und dort liebevoll aufgenommen. Schon als Heranwachsende erlebt sie den Konflikt zwischen Anpassungsdruck und innerer Überzeugung: Ein Jude findet Zuflucht bei der Familie und wird fortan im Keller versteckt. Liesel freundet sich mit ihm an und entwickelt sich zu seiner Beschützerin.

Liesel und Max verbindet nicht zuletzt die große Bedeutung, die Bücher für ihr Leben haben. Nach und nach erkennt Liesel, dass die Nazis ihre mörderischen Verbrechen mit Worten und mit der Vernichtung von Worten vorbereitet haben – und findet schließlich im Schreiben eine Möglichkeit, der Unmenschlichkeit entgegenzutreten.

Erzählt werden ausgewählte und verdichtete Handlungsstränge aus Zusaks preisgekröntem Roman, darunter die Geschichte eines Akkordeons. Hier knüpft die teils begleitende, teils interpunktierende Musik an, die auf der Grundlage einer strengen Konzeption stilistisch einen weiten Bogen spannt – von hörspielartigen Geräuschkompositionen über spannungsvolle Kammermusik bis hin zu atmosphärischen Charakterstücken und Tänzen.

Ausführende:

Hille Marks – Rezitation
Ina Stock – Oboe
Elisabeth Wand – Violoncello
Dorrit Bauerecker – Akkordeon

Brot und Rosen (Arbeitstitel)

Lieder und Chansons von Jonas Körferfür eine Sängerin, einen Sänger und Klavier
nach Texten von Paul Eluard, Johann Wolfgang von Goethe, Peter Hacks, Peter Handke, Annette Lose, Werner Makowski, Pier Paolo Pasolini und Jacques Prevert

Erläuterung:

Vor gut einem Jahrhundert begann mit der Oktoberrevolution in Russland der erste großangelegte Versuch, die kapitalistische Gesellschaftsordnung zu überwinden. Seit dem Scheitern dieses Versuchs, der unzählige Opfer forderte, herrschen nahezu weltweit kapitalistische Verhältnisse. Die einschneidenden Folgen für die Menschheit und ihre natürlichen Lebensgrundlagen sind unübersehbar, aber fortschrittliche Gegenbewegungen, in denen sozialistische Ideen aufgegriffen werden, bilden sich nur vereinzelt.

Die Lieder des Programms reflektieren die Geschichte kommunistischer Bestrebungen vor dem Hintergrund einer Weltanschauung, die das Ideal einer klassenlosen Gesellschaft im Blick behält. Der politischen Ohnmacht ihrer Vertreter, die zur Zeit bestenfalls zur Verhinderung des Schlimmsten beitragen können, wird dabei auch mit Liedern über die Liebe begegnet, denen diese politische Perspektive innewohnt.

Gerahmt wird das Programm von zwei Liedern über das Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit – und somit auch über den Sinn der Arbeiten, die hier dargeboten werden: artifizielle Kunstlieder, die unter Verwendung von Techniken der Neuen Musik an die Liedkomposition der Klassik und der Klassischen Moderne anknüpfen; Chansons mit Anklängen an Arbeiten von Komponisten aus Brechts Umfeld sowie an populäre Genres; und Gedichte, auf deren Vertonungen sich die Kompositionen des Programms beziehen.

Ausführende:

Kerstin Körfer – Sopran, Klavier
Jonas Körfer – Chansongesang, Klavier

(in Vorbereitung)

 

Zu der Projektreihe gehört auch ein Programm für Kinder bzw. Familien:

Frau Hochton & Herr Wortreich: „Einerseits und andererseits“

Musik und Misuk von Jonas Körfer zu Gedichten für Kinder von B. Brecht, P. Hacks u.a.
Konzeption und Moderationstexte: Jonas Körfer
Grafik, Bühne und Puppen: Kerstin Körfer
Dramaturgie: Jutta Riedel

Erläuterung:

Frau Hochton liebt die schönen Töne.
Herr Wortreich bevorzugt deutliche Worte.

So schwanken ihre Darbietungen zwischen Arien, Liedern, Chansons und Rezitationen, bei deren Vortrag sie sich gegenseitig begleiten – auf Instrumenten (Akkordeon, Gitarre und Klavier) und zahlreichen Unstrimenten (wie Blumentöpfen, Weingläsern und Kochtöpfen).

Die musikalischen Kontraste entsprechen der inhaltlichen Anlage des Programms, das von einem Kanarienvogel und einem Raben moderiert wird. Die beiden schrägen Vögel begleiten das Publikum in sieben Kapiteln (Vom Wollen - Vom Werden - Vom Brauchen - Vom Reichtum - Von der Macht - Von der Neugier - Vom Zusammenleben) auf einer sinnlichen Reise in die Welt der Widersprüche, die auch schon das Leben der jungen Menschen prägen und die zu entdecken eine sehr lustvolle Tätigkeit sein kann: Denken.

Ausführende:

Kerstin und Jonas Körfer – Gesang, Rezitation, Puppenspiel und Instrumente